Sonntag, 28. November 2010

"Sehet, die erste Kerze brennt" (Adventslied)

Für mich hat das Wochenende diese Woche Dienstag um 5Uhr pm angefangen: Klingt komisch, ist aber so.
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Ab Donnerstag war die Uni nämlich geschlossen: dank sei Thanksgiving (das war ein rein zufälliges Wortspiel). Und geschlossen heißt auch geschlossen: Kein Kiosk, keine Dining Hall, kein Pool, kein Computerraum, kein alles.
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Der Campus war außerdem wie ausgestorben, alle auf Reisen oder bei ihren Familien. Ich habe von Thanksgiving nicht sehr viel erwartet. Ein Familienfest ohne Familie ist wie Kaffee ohne Coffein: der Sinn fehlt.
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Erstaunlicherweise war der Tag aber doch noch sehr lustig mit meinem ersten Thanksgiving Turkey, der artgerecht tranchiert wurde (Kurze Simserinnerung: Es kamen keine drei fremden Nachbarn vorbei, die geklatscht und dann mitgegessen haben). Den Rest des Tages habe ich dann mit Leuten aus dem Wohnheim verbracht mit Film schauen (das kann ich) und einem Spiel mit den kreativen Namen "Dance Dance Revolution" (das kann ich nicht).
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Gegen den darauffolgenden schwarzen Freitag habe ich dann aber demonstriert: Mit Rabatten locken die Geschäfte die Kunden an diesem Tag schon um 5Uhr morgens aus dem Bett, um sich in Massen um das zweite T-Shirt bei der "Zahl eins, krieg das zweite gratis"-Aktion zu kloppen.
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Am Abend war die Demo dann beendet und ich habe mich wieder aus dem Wohnheim gewagt und zwar zum Cane Crawl, einer Kneipentour durch den Coconut Grove. Tolle Idee das Ganze: Wir wurden in Gruppen eingeteilt, so dass man zwar mit Freunden unterwegs war, aber auch gleichzeitig mit ganz neuen Leuten. Sehr spaßig.
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Samstag habe ich dann ausgenutzt, um endlich den Venetian Pool zu besuchen: ein großer Pool mit kaltem Wasser und sehr schöner Anlage. Herrlich, wenn schon der Pool an der Uni zu hatte.
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Die Liebe für die Erfindung Pool als solche hat sich am Abend noch vertieft. Mit Besuch aus New York gings in den Clubbereich eines Hotels: kostenlos, Chillplätze und die Tanzfläche war ein ca. 10-20cm Pool. Alles unter freiem Himmel natürlich und auch der nächste Club war unter freiem Himmel, mit herrlichem Ausblick über South Beach.
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Am Sonntag um 4Uhr pm hat dann endlich die Dining Hall wieder aufgemacht und hungrige Geier, die wir sind, haben wir uns natürlich gleich ins Foodcoma gestürzt. Und mit diesem Zeugnis der menschlichen Futterliebe sage ich: Frohen ersten Advent aka das Finale des Thanksgiving Wochenende.
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Ich bin dankbar für Florida und (fast) alles, was sich hier so abspielt.

Turkeyweekend

Samstag, 20. November 2010

"Manchmal glaube ich, wir sind keine Familie, sondern ein biologisches Experiment" (Al Bundy)

Es ist sehr seltsam so ganz alleine im Zimmer zu sein. Nach zwei Wochen Familienbesuch, habe ich mich sehr an die ständige Gesellschaft gewöhnt. Mit wem rede ich denn jetzt? Ist niemand hier. Ich werde die Sippschaft vermissen.
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Aber es waren zwei ganz zauberhafte, reiseintensive Wochen mit dem immer wiederkehrenden Quiz: Und wie funktioniert in diesem Hotel nun wieder die Dusche? Erst drücken, dann ziehen oder drehen oder drehen und drücken? Ich werde die bequemen Hotelbetten vermissen und die Duschköpfe, die doch tatsächlich über meinem Kopf sind.
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Nun aber von vorne: Endlich habe ich auch den Art Deco district von South Beach gesehen, wie so oft ist das, was in der Nähe ist, nie ein würdiges Ausflugsziel und bleibt lange ungesehen.
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Orlando bzw. das was Disney drumherum veranstaltet hat, ist ganz fabelhaft. Magic Kingdom ist natürlich der Klassiker, auch wenn der Park leider mehr mit Kinderwägen vollgestopft ist als mit Mickey und Co. Sea World ist da schon eher was für die Großen. Und mit groß meine ich natürlich große Tiere wie die unglaublich süßen und unglaublich dicken Manatees (=Seekühe)!
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Abgerundet wurde der Trip von einer fabelhaften Poollandschaft, die so verwinkelt war, dass ich die Orientierung verloren habe. War aber gar nicht schlimm, die Strömung hat einen schon irgendwohin getrieben.
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Ich habe außerdem mehr von dem tatsächlichen Amerika und dessen manchmal recht eigentümlichen Volk mitbekommen, hier auf dem Campus ist es eben doch eine andere Welt. Hier gibt es so viel schlanke und sportliche Menschen und draußen sieht man so viel dicke und massige Leute in grauenvollen Klamotten. Während die Leute hier eher liberal und kritisch sind, jubeln sie vor der Orcashow dem Militär zu und pappen ihre "I keep my gun, my freedom & my money"-Aufkleber stolz auf ihre Stoßstange.
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Die Uni hat dem Urlaub im Urlaub eine kurze Zwangspause verpasst, zumindest für mich, aber die Betonung liegt auf kurz. Die nächste Station war dann das farbenfrohe, wunderschöne und sehr spezielle Key West.
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Dort ticken die Uhren nochmal anders als in Miami. So viel Wasser drumherum und so viel Distanz zum Rest des Landes haben schon einen großen Einfluss auf Land und Leute. Selbige scheinen sehr lässig drauf zu sein und es gibt viele Individualisten, Künstler und sonderbare Menschen.
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Eins der Key West Highlights war die Snorkling Tour, auch bekannt als viele Menschen mit orangenen Schwimmwesten, die unkoordiniert an der Wasseroberfläche paddeln. So toll das auch war, ganz im Wasser zu verschwinden ohne einen Schnorchel, der voll Wasser läuft, ist noch besser. Da fällt mir auch ein bei meinem letzten Tauchtrip bevor die Sippschaft kam habe ich mehrere Rochen und, hurra, ein Seaturtlelinchen gesehen! Ganz zauberhaft!
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Damit sind wir bei zwei sehr tierlastigen Wochenenden in Folge und das dritte folgte prompt in Form des Miami Zoos, Zoo Miami, Miami Metrozoo... oder wie auch immer er nun heißt. Der Zoo ist der schönste, den ich bisher gesehen habe, tolle Gehege, tolle Tierchen.
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Der passende Abschluss also, für zwei fabelhafte Wochen Urlaub in Florida. Der Unistress und liegengebliebene Arbeit schleichen sich jetzt wieder von hinten an und tippen mir auf die Schulter.

Family Qualitytime

Sonntag, 7. November 2010

"Die ersten Menschen waren nicht die letzten Affen" (Erich Kästner)

Es gibt doch nichts Schöneres als Ausflüge innerhalb einer Urlaubsreise. Und ja, ich denke wieder an die Sims. Jetzt ist es aber mehr gerechtfertigt denn je, denn im Souvenirshop von Monkey Jungle war doch tatsächlich ein Werbeplakat mit einem Simsbild.
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Der Monkey Jungle war aber bereits die zweite Station des Ausflugs.
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Die erste Station war Key Biscayne, nein Biscayne National Park. Ja, da sind tatsächlich einige Kilometer dazwischen.
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Für all die lustigen Wasseraktivitäten war es leider viel zu kalt. Ungerechterweise ist das Wetter momentan ziemlich kalt. Das ist nicht nur ungerecht und ärgerlich, sondern wirft auch ein großes Problem auf: Woher Wärme nehmen?
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An die Tatsache, dass es trotz tropischer Temperaturen drinnen immer kalt ist, habe ich mich schon fast gewöhnt. Aber wenn man dann nach draußen geht, wird es gleich wieder warm. Jetzt ist es dort blöderweise auch verdammt kalt.
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Die Alternative zu den lustigen Wasseraktivitäten war dein ein kleiner Spaziergang auf einem Pfad am Ufer entlang. Wunderschön, nur leider war der Wind ziemlich laut.
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In den Monkey Jungle wollte ich schon die ganze Zeit gehen und ich hatte recht, es ist total spaßig. Affen gehören nun offiziell in die Liste, der von mir sehr geschätzten Tiere. Zusammen unter anderem mit den Ibisen.
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Um einen Studenten zu zitieren, der mir letzt entgegenlief und lautstark kommentiert hat: "I love how there's so much fucking wild life going on here:"

Eindrücke für den nächsten Reiseführer... und das Sims-Handbuch

Samstag, 6. November 2010

"Es ist nirgends besser als daheim" (Dorothy Gale - Der Zauberer von Oz)

Dieses Wochenende und im Prinzip die ganze Woche davor war es Zeit für das berühmt berüchtigte Homecoming. Ein viel verwendeter Begriff, vor allem in Zusammenhang mit Homecomingqueen und -king, und doch unklar. Also um das klar zu stellen:
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Homecoming ist eine jährliche Tradition im Herbst. Dann wird zu Ehren ehemaliger Studenten und Universitätsangehöriger großes Tamtam veranstaltet, um eben diese Alumni nach Hause zu ihrer Alma Mater zu locken.
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Wieso man dazu jetzt Homecomingqueen und -king braucht, erschließt sich mir nicht ganz, aber die Amerikaner lieben es (vielleicht weil sie nicht die Wudner von Fasching kennen), irgendwelchen Leuten Plastikkrönchen aufzusetzen und sie in Scherpen einzuwickeln.
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Bei einer Parade durch den Campus, bei der verschiedene Gruppen der Uni vorgestellt wurden gab es neben Homecomingqueen und -king noch ein anderes Prinzenpaar (leider nicht wie an Fasching), jeweils King und Queen für die Wohnheime Mahoney und Pearson und Miss University mit ihrer Prinzessin.
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Die Marchingband habe ich an dem Abend ganze dreimal vorbeitrommeln sehen und ich finde sie toll. Zum Homecoming kam natürlich auch die Alumniband, ein übersichtlicher Haufen von gealterten Durchschnittsamerikanern.
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Eins der Highlights war das zauberhafte Feuerwerk am See. Trotz Kälte war es ganz fabelhaft am Seeufer zu sitzen und zuzuschauen. Zusammen mit den Alumni, die ihre Kinder in komplette Uni Miami Klamotten gepackt haben.
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Abends gab es dann vor der Bibliothek ein Konzert von Lauren Hill. War sehr cool, auch wenn die Frau selbst sehr eigenartig ist...
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Bei diesem Ereignis habe ich einmal mehr gemerkt, dass die Auffassung von Universität und die Vorstellung von einen Campusleben hier und in Deutschland einfach grundverschieden sind. In Mannheim kennt kaum jemand den grummeligen Rektor der Uni. Hier wird für die sympathische alte Frau applaudiert, wenn sie mit dem Ibis-Maskottchen in der Parade mitfährt.
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Um nochmal auf das Thema "Daheim" zu sprechen zu kommen. Heute ist der Tag, an dem mich Familie besuchen kommt und natürlich freue ich mich riesig! In meinem Theaterkurs hat die Dozentin schon oft darüber geredet, dass trotz medialer Kommunikation (und dazu zählt auch Skype) nichts mit einer echten, wahrhaften, menschlichen Berührung vergleichbar ist.
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Nach über zwei Monaten im Ausland, kann ich dem noch mehr zustimmen, als ich es vermutlich sowieso getan hätte. Ich kann es kaum abwarten, meine Lieben endlich wieder zu drücken und zu knuddeln.

Heimatkunde

Freitag, 5. November 2010

"Halloween is the one night a year when girls can dress like a total slut and no other girls can say anything about it" (Zitat aus Mean Girls)

Zumindest der erste Teil des Zitats stimmt, der zweite... weniger, denn ich sage es: An Halloween laufen 90% der Mädels hier rum wie Schlampen! Vielleicht liegt es daran, dass wir Ausländer sind, aber wir lästern sehr wohl genüslich über die Stoffsparmaßnahmen der amerikanischen Kostümindustrie.
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So, nach der gründlichen Prüfung dieses Zitats nun zu Halloween allgemein: Wird genau wie Silvester vollkommen überbewertet!
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Den Tag gibt es schließlich nur einmal im Jahr, da muss man etwas ganz ultimativ Besonderes machen  und natürlich gibt es mehr Partys als sonst zur Auswahl. Da sind Unentschlossenheit, Stress und augewühlte Gemüter vorprogrammiert.
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Die Party im Coconut Grove war aber tatsächlich sehr lustig. Abgesperrte Straßen und überall Menschen in den unterschiedlichsten Farben und Formen unterwegs.
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Alles in allem fällt Halloween aber doch in eine ähnliche Kategorie wie ein Footballgame: Amerikanische Tradition, die man mal gesehen haben muss, wenn man schon hier ist, ist auch recht unterhaltsam, aber nicht Highlight, das es vorgibt zu sein.


Boo!


Mittwoch, 3. November 2010

"Das tiefe Meer scheint am erhabensten in seiner Bewegung" (Friedrich Schiller)

Samstagmorgen, 7 Uhr und mein wenig begeistertes und zirka 30% waches Ich schlurft zum Treffpunkt mit dem Scuba Club.
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Zeit für Tauchgänge Nummer sieben und acht in Pompano Beach.
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Ja, kingt langweilig, dort war ich ja erst tauchen und das sogar mit dem selben Boot, aber jetzt kommt keine Liste mit Träumen auf dem Boot. Wenn ich nämlich auf dem Boot geträumt hätte, wäre ich schwupps ins Wassergepurzelt.
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Die Fahrt zum Tauchort war wildes Wellenreiten und drei Leute haben es geschafft seekrank zu werden. Ich persönlich fand es total lustig und sehr spaßig. Einziger Nachteil, sobald man sich nicht mehr auf dem Deck hin- und herschaukeln lässt, sondern herumläuft und seine Ausrüstung richtet.
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Das Ergebnis: Die Chance auf viele blaue Flecke beim hin- und herstolpern und purzeln auf dem Boot.
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War es das wert? Ja!
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Es war mein bisher tiefster Tauchgang mit zirka 20 Meter, sehr aufregend und getaucht sind wir um ein Wrack herum und ja, einmal auch kurz rein. Bewohnt wird das Wrack von einem dicken, fetten. grünen Aal.
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Der hat brav rausgeguckt, sich gestreckt, den Mund auf- und zugemacht, sich in alle Richungen gedreht und sich scheinabr sogar streicheln lassen. Dieser Aal ist zu perfekt, meine Vermutung ist ja, dass man ihn dressiert und dann in das Wrack gesteckt hat, um dem Tauchort noch eine lebendige Sehenswürdigkeit zu verpassen.
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Wie immer waren aber auch viele bunte Rifffische am Start, gerne auch als kompletter Schwarm. Sehr faszinierend, wenn ein Schwarm leuchtend blauer Fische an einem vorbeirauscht.
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Einen Goliath Grouper habe ich auch gesehen, aber diesmal leider nicht in Streichelweite.
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Ich liebe mein neues Hobby!
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Die Quizfrage des Tages lautet: Geht eine Taucherbrille ein, wenn sie in der Waschmaschine wäscht? meine nicht.

Wasser und das, was darin herumschwimmt